1. Buch: Die psychologische Ebene -> 2. Kapitel: Barbaras Kindheit und Jugend -> 14. Folge: Der Vater

Deutungsebene ausblenden

Der Vater

Erzählung

Ihr Mann schlief während der Schwangerschaft kaum, zuletzt gar nicht mehr mit ihr. Ursula Rein vermisste die Sexualität nicht, aber es störte sie, dass sie weniger attraktiv für ihren Mann war, wie sie meinte.

In Wahrheit verband ihr Mann mit seiner Sexualität eine gewisse Aggressivität und hatte darum Hemmungen, mit seiner schwangeren Frau zu schlafen.

Dass das Kind ihr Leben unumkehrbar verändern würde, ahnte sie, ja wollte sie auch. Doch hatte sie kaum Vorstellungen davon, wie das sein würde. Ihre Freundinnen hatten noch keine Kinder, mit ihrer Mutter sprach sie wenig. Einige Male kam auch ihr Mann mit Babysachen von der Arbeit, die er in der Mittagspause gekauft hatte, eine Babypuppe, da es doch ein Mädchen werden würde, eine Truhe mit Kindermotiven bemalt und Söckchen für das Kind. Ursula Rein fand das nett, bedeutete aber ihrem Mann, dass das ihre Sache sei.

Ihr Mann wollte auch ein bisschen Mutter sein, aber sie verstand das als Angriff auf ihre Mütterlichkeit. Er seinerseits spürte nicht, wie sehr sie die Ermutigung brauchte, dass sie eine gute Mutter sein würde. So nahm das Verhängnis seinen Lauf.

Sie hatte mit ihrem Mann nicht darüber gesprochen, dass er bei der Geburt anwesend sein sollte. Lothar Rein hielt das Gebären ohnehin für eine Frauensache, bei der Männer nichts zu suchen hätten. Frau Rein hätte es vielleicht lieber anders gehabt, aber das wurde zwischen den beiden nicht besprochen.

Wie so vieles nicht.

______
<- 13. Folge: Schwangerschaft
15. Folge: Geburt ->