1. Buch: Die psychologische Ebene -> 2. Kapitel: Barbaras Kindheit und Jugend -> 21. Folge: Rätsel der Kindheit

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Rätsel der Kindheit

Erzählung

Barbara lernte laufen, sprechen und die Körperfunktionen zu kontrollieren, sie machte wenig Schwierigkeiten. Eine nervenaufreibende Trotzphase ersparte sie ihrer Mutter. Später wird Barbara allerdings einige Male namenlose Wut aufkommen spüren. Sie wird als Achtjährige eines Tages ihr Kaninchen in einen Sack stecken und so lange gegen die Wand schlagen, bis Blut durchsickert und das Kaninchen aufhört zu zappeln. Tief in der Mülltonne wird sie den blutigen Sack begraben und ihrer Familie erzählen, dass das Kaninchen beim Spielen weggelaufen sei. Barbara war drei Jahre alt, als sie öfter einen Alptraum hatte. Ein Mann will ihre Mutter umbringen. Sie ist dabei und kann nichts tun. Das Kind wacht nachts schreiend auf, kann aber ihrer Mutter den Traum nicht erzählen. Es dauert Stunden, bis es sich beruhigt hat und wieder einschläft. Die Mutter ist beunruhigt, sie fragt sich, ob mit ihrem Kind etwas Ernsthaftes nicht stimmt. Das Kind sieht den sorgenvollen Blick der Mutter. Den versteht es so, dass die Mutter etwas an ihm missbilligt. Es denkt: Die Mama mag mich nicht. Einige Zeit später bemerkte Barbara, dass die Eltern in einem Bett schliefen, während sie allein schlafen musste. Die Eltern stritten oft, wie sie mit ihr oder anderen Menschen nicht stritten. Oft hörte Barbara lautes und böses Sprechen, das aus dem Schlafzimmer drang.

Die Natur hatte ihr eine Ahnung davon gegeben, was die Geschlechter miteinander machen. Das Problem war, dass dies von Distanz und Kälte begleitet zu sein schien: Wenn man in einem Bett schläft, sich anschreit und das Gesicht verzieht, ist es das, was zwischen Mama und Papa dann passiert?

Barbara war verwirrt. Die Mama war schön und mächtig. Der Papa war ein großer schöner Mann. Ein Mann ist etwas anderes, etwas Interessantes. Aber er war fast immer weg. Mit dem Leben der kleinen Barbara hatte er nichts zu tun. Er kleidete es nicht, fütterte es nicht, ging mit ihm nicht auf den Spielplatz, er hatte ein ganz anderes Leben. Die Mama kannte beide Leben. Aber sie sprach nicht vom Papa, sie bezog sich nicht auf ihn, also war er für das Leben der kleinen Barbara nicht wichtig. Und auch die Mama brauchte den Papa offensichtlich nicht, etwa zum Küssen und zum Streicheln und für all die Dinge, die schön sind. Das konnte Barbara an ihr erkennen. Immer wieder freute sie sich auf ihren Papa und bekam doch keine Antwort. War sie ihm lästig? Voller Enttäuschung flüchtete Barbara sich immer wieder zur Mutter. Nein, sie war für den Papa nicht interessant.


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