1. Buch: Die psychologische Ebene -> 2. Kapitel: Barbaras Kindheit und Jugend -> 20. Folge: Ein anderes Kind, eine andere Mutter

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Ein anderes Kind, eine andere Mutter

Erzählung

Ursula Rein hatte sich mit ihrem Kind im Wagen auf dem Spielplatz im Park zu den Frauen gesetzt, die dort mit ihren Kindern zusammen kamen. Mit einer der Frauen, Beate, die auch eine Tochter hatte, fast gleich alt, hatte sie sich angefreundet. Wenn mich mein Mann nicht angerufen hätte, säße ich immer noch in der Badewanne mit meiner Laura, meinte Beate und lachte etwas verlegen. In der Nacht bin ich ja auch kaum zum Schlafen gekommen. Mein Mann muss früh zur Arbeit und ich hole mir die Laura oft, schlafe noch mal ein Ründchen oder spiele mit ihr im Bett bis die Windel tropft, das macht mir oft Schuldgefühle. Mein Gott habe ich es gut. Aber, na ja die Nacht war ja auch kein Vergnügen.

Beate gibt sich ganz ihrem Vergnügen hin, das sie mit ihrem Kind hat. Aber weil Beate bei diesen Spielen ihrer Lust folgt, kann sie in ihrem Inneren unterscheiden, was sie für sich, was für das Kind tut. Man merkt es auch daran, dass sie von sich selbst sprechen kann. Sie kann ihr Befinden von dem des Kindes unterscheiden.

Mitten in der Nacht wollte die kleine Laura unterhalten werden, manchmal immerzu gefüttert werden, dann wieder lange Stunden nicht. Es war ihr eine Lust, die Mutter herbei zu holen, wann immer sie wollte. Sie musste nur laut schreien. Manchmal aber war auch Schmerz, alles um sie herum war bedrohlich und die Angst schlug über sie zusammen. Dann gab es nur eine böse Mutter, die bedrohlich war wie alles. Wohin dann? Alles war schrecklich. Aber die Mutter ließ sich davon nicht beirren und in ihren weichen Armen, gegen die sie sich so wehrte, wich allmählich die Angst.

Beate hat das sichere Gefühl, dass sie nicht so böse ist, wie das Kind sie vielleicht im Augenblick sieht. Sie ist auch nicht hilflos.

Nach einiger Zeit flüchtete sich Laura in solchen Zuständen manchmal zum Vater mit dem kratzigen Gesicht und den starken Armen. Dann war Laura eine Königin und die Mutter musste um sie werben.

Irgendwann wird Beate nicht mehr so wohlwollend reagieren, wenn Laura zum Vater rennt, um bei dem über die Mutter zu triumphieren.

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<- 19. Folge: "Nein"