3. Buch: Die soziale Ebene -> 12. Kapitel: Meta -> 87. Folge: Der Traum vom Dr. Sevenich
Deutungsebene ausblendenDer Traum vom Dr. Sevenich
„Und von wem werde ich geträumt? Ich meine,
wer seid ihr?“, sinnierte ich.
„Wir sind
Gott, du elendiger Bastard, du schwachsinniger Vollidiot,
ans Kreuz sollte man dich nageln.“
„Niemals!“, brüllte ich, sodass Heinz
erschrak und meine Currywurst mit Pommes fallen
ließ.
Inzwischen war es schon dunkel geworden, darum machte ich mich auf den Weg nach Hause. Dort angekommen, nahm ich eine Rohypnol (ein starkes Schlafmittel), entkleidete mich (bis auf die Socke) und legte mich in mein Bett. Ich schlief ziemlich bald ein und träumte. Ich träumte von einem Mann namens Doktor Sevenich.
Von hier an geht die Geschichte als die Geschichte des Dr. Sevenich weiter. Zwei Personen vermischen sich, Traum und Wirklichkeit sind nicht getrennt.
Er wachte aus seinem erholsamen, traumlosen Tiefschlaf auf. Es war der 31.12.2001, 6 Uhr 30 und 13 Sekunden. Er liebte das morgendliche Frühstück. Als er fertig war, duschte er sich, putzte seine Zähne, zog seine Motorradbekleidung an, verließ das Haus und fuhr mit seiner Yamaha zu seiner Arbeitsstelle, die psychiatrischen Anstalt in Porz-Ensen. Um Punkt 17 Uhr hatte er Feierabend, worauf er sich mit seinem Motorrad auf den Heimweg machte. Zu Hause angekommen, stellte er das Gefährt an seinen vorgesehenen Platz, schloss es ab und ging zur Haustür des Mietshauses, in dem er wohnte.
Als der ahnungslose Arzt seine Wohnung betrat, dachte er an eine seiner Neuzugänge der geschlossenen Abteilung. Es handelte sich um einen 19 Jahre alten Jugendlichen mit dem Namen Hubertus H. Er sagte aus, er höre kommentierende Stimmen, seien aber nicht imperativ. Darüber hinaus klagte er über starke Stimmungsschwankungen.
Der noch unerfahrene Doktor Sevenich glaubte jetzt zu
wissen, wo das Problem Herrn H.‘s lag. Es schien, so
meinte er, sich um eine ziemlich intelligente und gebildete
Person mit philosophischen Ambitionen zu handeln, dessen
Wissen, das er sich aneignete, ihm jetzt zum Verhängnis
wurde, da er es zu einer Wahnidee bis ins letzte Detail
durchkonstruierte. Aber dies sei mittels einer
neuroleptischen Therapie mit Haloperidol wahrscheinlich gut
in den Griff zu bekommen.
„Sevenich ist ein
Holzkopf. Sevenich ist ein Holzkopf. Sevenich ist ein
Holzkopf.“
Der junge Arzt hob den Kopf, er hatte
seine Augen während des Nachdenkens die ganze Zeit auf
den Brief den Patienten gerichtet, und lauschte. Er
hörte das Ticken der Uhr und das Rauschen des Verkehrs.
Darüber hinaus nahm er aber noch etwas anderes wahr:
Eine etwas ständig wiederholende Stimme. Kaum
hörbar, doch war da etwas. Es war ihm jedoch nicht
möglich, die Worte zu verstehen.
„Nachbarn“, dachte er.
Der Patient, so
mutmaßte er wieder, habe eine wissenschaftliche Gabe
und unausgeschöpfte Ressourcen, die in der Therapie
gefördert werden müssten. Er war etwas neugierig
auf seinen Intelligenzquotienten, besonders den des
deduktiven Bereiches.
„Sevenich ist ein
Holzkopf. Sevenich ist ein Holzkopf. Sevenich ist ein
Holzkopf. Sevenich ist ein Holzkopf. Sevenich ist ein
Holzkopf. Sevenich ist ein Holzkopf.“
Nochmal
richtete er seine Aufmerksamkeit auf die Akustik des Raumes.
Die Stimme war jetzt etwas lauter und er vernahm eindeutig
seinen Namen.
„Was soll das? Wieso sprechen die
ständig meinen Namen?“
Die Nachbarn des
Herrn Sevenich waren eine gutbürgerliche Familie mit
zwei Kindern. Der Vater war Steuerberater, die Mutter eine
Lehrerin des Hansa-Gymnasiums. Er war sich sicher, dass die
Kinder ihm einen Streich spielten. Er bestieg das Sofa, hing
den Kunstdruck von August Macke ab und legte sein Ohr an die
Wand, was ohne Erfolg blieb. Die restlichen Worte blieben
unverständlich. Nachdem er von seinem Sofa wieder
kletterte, begann die Stimme jetzt deutlich hörbar zu
werden: „Sevenich ist ein Holzkopf. Sevenich ist ein
Holzkopf. Sevenich ist ein Holzkopf. Sevenich ist ein
Holzkopf. Sevenich ist ein Holzkopf.“
Der Arzt
erschrak, als er die übrigen Worte des Satzes verstand.
„Was bilden sich die Plagen eigentlich ein. Die
spinnen wohl.“
Wütend klingelte er bei den
Hoffmann’s und die Mutter der beiden Kinder
öffnete.
„Es ist ein Unding, was die Kinder
sich da leisten. Ich dachte eigentlich, sie hätten sie
gut im Griff, aber da täusche ich mich wohl.“,
sagte er wütend. Sein Gesicht verzog sich zu einer
aggressiven Grimasse.
„Herr Doktor, was meinen
sie. Helene ist mit ihrer Freundin unterwegs und Elia seit
Montag auf Klassenfahrt. Geht es ihnen nicht gut, sie haben
Schweißperlen auf der Stirn.“
„Das
kann nicht sein. Ich hör sie doch reden. Immerzu diesen
Satz. Ich kann nicht verstehen, dass sie diesen Unfug noch
unterstützen und sie decken.“
„Also,
ich kann absolut nichts hören. Sie können sich
gerne ...“
Er schob die Hoffmann auf Seite und
stürmte ins Wohnzimmer, doch dort war Nichts. Dann
hastete er ins Kinderzimmer, dem angrenzenden Raum seines
Wohnzimmers, doch es war niemand da.
Er ahnt, dass die Stimmen in seinem Kopf entstehen. Aber das will er nicht glauben und hofft, dass sich alles auf natürliche Weise aufklären wird. In dieser Situation sind viele Menschen mit einer Schizophrenie.
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