2. Buch: Die familiƤre Ebene -> 8. Kapitel: Karriere -> 59. Folge: Erfolgreich

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Erfolgreich

Erzählung

Da hinten der Breuer mit Zigarre.
Hallo!
Er geht ja schon. Mit Breuer war er einige Male auf Dienstreise, in Spanien. Hat sich dort wohl gefühlt. Sie hatte nie was dagegen. Was sie sich wohl gedacht hat, zwei Monate in Spanien, allein als Chef einer Tochterfirma? Sie hätte ihn auch besuchen können, die Firma hätte es bezahlt. Besuch, um zu bumsen. Vielleicht war es ihr auch egal, wie er das machte.

Spanisch konnte er nicht. Engagierte darum als erstes einen Dolmetscher, der ihn ständig begleitete, selbst beim Mittagessen und abends. Der Öffentlichkeit teilte er mit, das Werk sei nicht rentabel. Von Entlassung keine Rede. Aber 300 Leute von fast 800 waren zu viel. Journalisten bekamen Zahlen über die wirtschaftliche Situation, er machte alles mies. „Markt total zusammengebrochen“ hatte er verlautbaren lassen. Der Markt war schuld, nicht die Firma. Wichtige Politiker besuchte er persönlich. Dann rief er die Abteilungsleiter zusammen. Qualifizierte Mitarbeiter würde er befördern, sich persönlich für sie einsetzen. Eine Bedingung: Von 8 Leuten mussten sie 3 abgeben. Am Ende hatte er die 300 Mitarbeiter, die nicht mehr gebraucht wurden. Fast die Hälfte ging von selbst. Er brauchte nur wenig mehr als 100 Leuten zu kündigen, verteilt übers Jahr. Das fiel kaum auf, wegen der normalen Fluktuation. Selbst die Gewerkschaft war zufrieden, dass das Werk erhalten blieb. Er war der Held, tolles Husarenstück. Als er zurück kam, wurde er Vorstand. Breuer hatte da unten auch ne Freundin. 

Was die überhaupt will? Nie war ihr was genug. Na ja, so sind Frauen eben, aber nicht alle so launisch und zickig. Er hatte es auch nicht leicht gehabt, Eltern ohne akademischen Abschluss auf diese Schule und der Vater. Ihm wurde weinerlich, schluckte, stand auf, ging zurück ins Büro.

Einerseits hatte die Beziehung von Lothar zu seiner Frau oder Töchtern nichts mit seiner Arbeit zu tun. Andererseits aber hätte Lothar seine Arbeit nicht so machen können, wenn er nicht der gewesen wäre, der er war, und wie er war, darauf hatte die Familiensituation erheblichen Einfluss. Dass er sich in seinen Phantasien immer wieder mit der Familie beschäftigt, zeigt es ja.

Morgen Abend Gäste. Kollegen, Freunde zum Abendessen. Das kann sie gut, auch kochen und sieht sehr festlich aus. Ist ja auch ein schönes Haus. Barbara wird keine Geschichten machen, ist in der Klinik. Man wird ihn bewundern, er wird es bescheiden zurück weisen. Könnte mit den Frauen flirten und tut es ihr zuliebe nicht. Das sollte sie ihm danken. Aber nein, Krieg. Gut, also Krieg!


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