Glossar

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass wir Menschen unser Verhalten gelernt haben. Wir lernen nicht nur, wie man schreibt, liest und rechnet, sondern wir lernen auch, meist im Elternhaus, wie man mit anderen Menschen umgeht, welche moralischen Regeln gelten, wie wir essen, lieben und streiten sollen. Wenn man sich in anderen Kulturen aufhält, merkt man sehr deutlich, was gelernt wurde, weil in verschiedenen Kulturen vieles sehr unterschiedlich geregelt wird.

Wenn ein Mensch Angst hat, über Brücken zu gehen, die Psychiater nennen das eine Phobie, dann unterstützt der Verhaltenstherapeut, dass sein Patient lernt, das angstfrei zu schaffen. Wie macht er das? Nun, er übt es mit dem Patienten, so wie der Schüler in der Schule das Rechnen mit dem Lehrer übt. Wenn der Patient depressiv ist, dann übt er mit ihm, positiv zu denken, die schwarzen Gedanken aus dem Bewusstsein zu verbannen usw.

Aber man muss doch kritisch anmerken, dass es mit dem Lernen nicht so einfach ist. Schon der russische Wissenschaftler Pawlow, dessen Untersuchungen und Theorien zur Entwicklung der Verhaltenstherapie wesentlich beigetragen haben, hatte bemerkt, dass das Lernen etwas mit  Beziehung zu tun hat. Viele Hunde, mit denen er seine Versuche machte, „vergaßen“ alles, was sie gelernt hatten, wenn sie starkem Stress ausgesetzt waren. War aber ihr vertrauter Wärter bei ihnen, dann war das Gelernte wieder da. Für jede Form von Psychotherapie folgt daraus, dass man die Person des Therapeuten nicht außer Acht lassen kann. Das Vertrauen, das der Patient in seinen Therapeuten hat, ist die Grundlage seiner Möglichkeiten zu lernen. Der Aufbau von Vertrauen und die Fähigkeit zu Vertrauen kann man aber nicht durch eine Verhaltentherapie lernen. Das muss man schon mitbringen. Wenn also ein Patient, Vertrauen haben will, aber nicht haben kann, fehlt für eine Verhaltenstherapie die Grundlage. Darum ist es in einem gewissen Sinne so, dass die Verhaltenstherapie um so wirksamer ist, je gesünder der Patient ist.

Trotz dieser Einschränkung muss man sagen, dass die Verhaltentherapie in vielen Fällen wirksam ist. Sie wird von den Krankenkassen bezahlt.

Quelle: Prof. Dr. med. Frank Matakas, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychoanalyse


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